Strom einkaufen · Details
Mit dem grünen Chip verschiebt unser Lastmanagement die Ladung in die Stunden, in denen das Stromnetz freie Kapazität hat und besonders viel Strom aus Wind und Sonne zur Verfügung steht. Hier erklären wir, warum das sinnvoll ist, nach welchem Signal wir steuern und welche Parameter Sie einstellen können.
Warum netzdienlich laden?
Ein E-Auto steht meist viel länger an der Wallbox, als es zum Laden braucht: Wer um 18 Uhr ansteckt und um 7 Uhr losfährt, hat 13 Stunden Standzeit – für eine typische Tagesstrecke reichen bei 11 kW zwei bis drei Stunden. Für das Auto ist es fast egal, wann in dieser Zeit geladen wird. Für das Stromnetz nicht.
Unser Lastmanagement hält die Grenzen jedes Hauses ein. Viele Häuser in einer Straße laden aber gleichzeitig – vor allem am frühen Abend, wenn auch Herd, Waschmaschine und Wärmepumpe laufen. Diese Spitze bestimmt, wie stark Ortsnetze und Trafos ausgebaut werden müssen. Nachts und am Wochenende liegen dieselben Leitungen weitgehend brach. Wer dorthin verschiebt, nutzt vorhandene Kapazität statt neue zu erzwingen.
Wind und Sonne liefern nicht nach Fahrplan. In vielen Stunden gibt es mehr erneuerbaren Strom, als gerade gebraucht wird – 2025 gab es in Deutschland 573 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen, im Extremfall werden Anlagen abgeregelt. Lädt das Auto genau dann, steigt der physikalische Anteil von Wind- und Sonnenstrom in der Ladung.
Der Börsenstrompreis ist niedrig, wenn hohes Angebot – meist aus Wind und Sonne – auf geringe Nachfrage trifft. Genau das sind die Stunden, in denen das Netz Luft hat und der Strom besonders grün ist. Deshalb steuern wir nach dem Viertelstundenpreis der Strombörse: Er fasst beide Kriterien in einer Zahl zusammen.
Der Tagesverlauf
So sieht ein typischer Tag aus Sicht des grünen Chips aus. Grün markierte Stunden sind gut für Netz und Klima, rot markierte sind Spitzenlast – hier hält sich der grüne Chip zurück.
gut für Netz & Klima ordentlich neutral Spitzenlast – besser meiden
Geringe Last im Netz, oft viel Windstrom: das klassische Zeitfenster für den grünen Chip.
Vor allem im Sommerhalbjahr drückt der Solarstrom die Preise – ein zweites gutes Fenster, wenn das Auto tagsüber steht.
Hier liegen die Verbrauchsspitzen. Sofort startende Ladungen (blauer und roter Chip) fallen genau in diese Zeit.
Vereinfachte, beispielhafte Darstellung. Der tatsächliche Verlauf hängt von Wetter, Wochentag und Jahreszeit ab – das System rechnet ihn jeden Tag neu aus den Börsenpreisen.
Das Wichtigste
Mit dem grünen Chip. Neue Wallboxen werden mit grünem Chip ausgeliefert; für bestehende Wallboxen können Sie ihn in Kürze unter Leistungen & Erweiterungen nachbestellen.
Immer dann, wenn Sie eigentlich noch genügend Strom für den kommenden Tag im Akku haben.
Nein, (noch) nicht. Nach unserer Auswertung rechnen sich dynamische Stromtarife (noch) nicht gegenüber guten Fixtarifen.
Natürlich. Nutzen Sie bei jeder Ladefreigabe einfach den Chip, der gerade zu Ihrem Bedarf passt.
| Chip | Ladung | Netzdienlich |
|---|---|---|
| Blau | Normalladung, startet möglichst sofort | nein |
| Rot | Priorisiert gegenüber Blau, startet möglichst sofort – 3 x im Monat | nein |
| Grün | Netzdienlich: lädt, wenn der Börsenpreis niedrig ist | ja |
Technik & Einstellungen
Der grüne Chip startet die Ladung nur, wenn eine Preisgrenze an der Leipziger Strombörse (Viertelstundenpreise) unterschritten ist. Das ist immer dann der Fall, wenn ein hohes Angebot – meist Wind und Sonne – auf niedrige Nachfrage trifft. Das kann dazu führen, dass das Auto nicht sofort oder ggf. gar nicht geladen wird.
Der passende Modus, wenn das Auto regelmäßig ähnlich lange steht, z. B. über Nacht. Standardmäßig laden wir in den 12 Stunden nach dem Einstecken in den günstigsten 3 Stunden. Tagesspitzen werden so vermieden.
Netzdienliches Laden ist in all unseren Anlagen möglich – egal, ob ein 24/7-Tarif oder ein variabler Tarif gewählt ist. Mit dem grünen Chip laden die Autos in sinnvollen Nebenzeiten.
Die Parameter sind individuell anpassbar. Sie finden die Einstellungen in der App oder im Kundenportal und können sie für Ihre Wallbox anpassen.
Wie immer teilen wir die maximale Anlagenleistung auf alle gerade freigegebenen Autos auf. Nutzen viele den grünen Chip, wollen mehr Autos in den günstigen Zeitfenstern laden – das kann die Ladeleistung je Auto reduzieren. Mit passend gewählten Parametern lassen sich die Zeitfenster aber so breit setzen, dass Sie dennoch genügend Strom erhalten.
Die optimalen Ladezeiten berechnen wir beim Einstecken bzw. Chippen. Die Preise werden gegen 14 Uhr an der Strombörse in Leipzig für den kommenden Tag ausgehandelt. Liegen zum Ladestart noch nicht alle Preise vor, berechnen wir die Fenster zunächst für die bekannte Zeit und rechnen neu, sobald die übrigen Preise bekannt sind.
Die Preise ändern sich üblicherweise alle 15 Minuten. Um Ladestarts zu reduzieren, laden wir nur, wenn wir für mindestens 30 Minuten optimale Preise finden. Kurze Preissenken werden nicht genutzt.
Setzen Sie die Standdauer etwas kürzer als Ihre übliche Parkdauer. Beispiel: Sie stecken gegen 18 Uhr an und fahren gegen 7 Uhr los – das sind 13 Stunden. Wir empfehlen dann 12 Stunden.
Richten Sie die Ladedauer nach der üblichen Lademenge und der Ladeleistung Ihres Autos. Für rund 20 kWh mit einem 11-kW-Lader brauchen Sie 2 Stunden. Da die Ladeleistung durch die gemeinsame Nutzung reduziert sein kann, empfehlen wir einen kleinen Puffer, hier z. B. 3 Stunden.
Dynamische Tarife
Selbst stark optimierte Flextarife liegen derzeit deutlich über gut ausgesuchten Fixtarifen.
Wir können nur mutmaßen: Der langfristige Stromeinkauf – üblich bei Fixtarifen mit längerer Laufzeit – liegt offenbar deutlich unter dem Spotmarktpreis. Flexible Anbieter kaufen jeweils für den nächsten Tag an der Börse ein. Dort werden nur noch die Restmengen gehandelt, die offenbar deutlich teurer sind.
Wir gehen davon aus, dass gut optimierte Flextarife künftig deutlich unter Fixtarifen liegen. Wir beobachten den Markt.
Einen Flextarif mit dem Risiko auch mal hoher Preise zu wählen, lohnt sich derzeit nicht.
Netzdienlich zu laden macht auch bei Fixtarifen Sinn – es erhöht den physikalischen Anteil an grünem Strom, auch wenn es auf dem Konto derzeit „nur“ Karmapunkte bringt.
Probieren Sie aus, ob netzdienliches Laden bei Ihnen ohne Einschränkungen funktioniert. Steht in der Gemeinschaft die Entscheidung für einen flexiblen Tarif an, wissen Sie dann schon, dass es geht.
Die Entscheidung fällt für den EVU-Zähler (Einkaufszähler) – also auf Anlagenebene durch die Gemeinschaft. Für einen dynamischen Tarif ist ein Smartmeter notwendig.
Der grüne Chip funktioniert in all unseren Systemen – unabhängig davon, ob tatsächlich ein dynamischer Tarif gewählt ist.